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Buchrezension: AGILITÄT neu denken - Warum agile Teams nichts mit Business-Agilität zu tun haben.

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Kennt man den Namen Klaus Leopold, verbindet man ihn mit Kanban: „Kanban in der IT“ (Erstveröffentlichung 2012), „Practical Kanban“ (2017) und „Kanban in der Praxis“ (2016) sind die Titel seiner bisher veröffentlichten Werke. In den letzten zwei Jahren ist er von Konferenz zu Konferenz gezogen mit seinem Vortrag „Warum agile Teams nichts mit Business-Agilität zu tun haben“.

Was erwartet man also von einem Kanban-Experten, der sein Geld damit verdient, kluge Ratschläge zu geben? Ein weiteres agiles Framework, das agile Teams auf Business-Level hochskaliert?

Nein, darum geht es in diesem Buch nicht. Im Gegenteil: Klaus Leopold rief auf der LKCE’17 in Hamburg am Ende seines Vortrags sogar dazu auf: „kill (agile) methods and frameworks“. Im Vorwort des Buches betont er gleich zu Beginn, dass es inzwischen genügend agile Schablonen und Produkte gibt.

Wovon handelt also dann dieses Buch?

Es beschreibt die agile Transition eines Unternehmens, das auf den ersten Blick vieles richtig zu machen scheint. Mit dem Ziel, durch crossfunktionale Teams die Kenngröße „time to market“ (Produkteinführungszeit) zu verkürzen, fand eine Reorganisation statt. Doch die erwünschte Verbesserung blieb aus.

Was folgt ist eine hübsch bebilderte, dokumentierte Case Study mit einfachen, verständlichen Erklärungen, welche das Buch zu einer kurzweiligen, unterhaltsamen Angelegenheit machen. Der Weg des Unternehmens zur Business-Agilität wird über vier Kapitel hinweg beschrieben:

Teil 1: Das Problem | Teil 2: Die Ursachen | Teil 3: Die Lösungen | Teil 4: Das Ergebnis

Klaus Leopold beleuchtet im ersten Teil zunächst die Ergebnisse nach einem Jahr:

  • Die Velocity der Scrum-Teams zeigte nicht den kontinuierlich steigenden Trend, den man sich erwartete.
  • Die Durchlaufzeit der Kanban-Teams stagnierte, anstatt idealerweise immer kürzer zu werden.
  • Die Time-to-Market-Initiativen werden nicht schneller abgeschlossen als vorher.

Im zweiten Teil begibt er sich auf Spurensuche und identifiziert die Ursachen dafür:

  1. Die Falle einfacher Ableitungen im Veränderungsprozess
  2. Der Umgang mit Abhängigkeiten zwischen Teams und Produkten
  3. Ein unvollständiger Wertstrom
  4. WIP-Limits an der falschen Stelle

Nach einer ersten Zwischenbilanz, was in diesem Unternehmen schiefgelaufen war, werden im dritten Teil des Buches erste Lösungen vorgestellt. Dafür abstrahiert Klaus Leopold die unterschiedlichen Arbeitsebenen auf drei Flight Level:

       Grafik: von Klaus Leopolds Blog https://www.leanability.com/de/category/blog-de/

Beginnend auf der operativen Team-Ebene, Flight Level 1, bis hoch zum obersten strategischen Flight Level stellt er vor, mit welchen umgesetzten Maßnahmen man Verbesserungen erzielte:

  • Abhängigkeiten sichtbar machen und managen
  • Den Upstream integrieren
  • Strategisches Portfolio-Management

Klaus Leopold formuliert am Ende des dritten Teils eine klare Botschaft:
                Business-Agilität ist kein Teamsport – sie ist ein Unternehmenssport

Was die umgesetzten Maßnahmen gebracht haben und zu welchem Ergebnis man danach in dem Unternehmen kam, ist Gegenstand des letzten Buchteils. Im Rahmen der Agilisierung der etwa 600 involvierten Mitarbeiter hatte man es geschafft, das selbst gesteckte Ziel und darüber hinaus noch viel mehr zu erreichen:

  1. Reduzierung der Time-to-Market
  2. Das Unternehmen war wieder an der Innovationsspitze
  3. Strategisches Alignment
  4. Höhere Effizienz
  5. Fokus auf Outcome statt auf Output

Die Zusammenfassung des Autors am Ende verdeutlicht, dass die erzählte Geschichte als Anregung zu verstehen ist. Anhand derer leitet er folgende Hinweise für einen Transformationsprozess ab:

  • Starten Sie ganz oben: Das erste agile Team sollte das Top-Management sein.
  • Agilität beginnt mit dem Veränderungsprozess
  • Fokus auf die Ziele und nicht auf die Methoden
  • Agilität ist keine Team-Angelegenheit
  • Flight Levels identifizieren
  • Abhängigkeiten managen und dann eliminieren
  • Den Motor der Lean Business Agility auf jedem Level einbauen

Fazit:

Wem der 40-minütige Vortrag auf vimeo Appetit auf mehr macht, wird mit dem Buch „Warum agile Teams nichts mit Business-Agilität zu tun haben“ gut bedient und kann den Wissensdurst danach, welchen Herausforderungen sich Klaus Leopold wie gestellt hat, sicher stillen. Auch die lebhaft illustrierten Präsentationsfolien zum gleichnamigen Vortrag finden sich online und sind ein netter, ergänzender Zeitvertreib zum Nachschlagen. Das Besondere an der Geschichte, die er erzählt, ist letztlich sein Vorgehen, wie er eine Agile Transformation mit etwa 600 Beteiligten unabhängig von gängigen Skalierungsframeworks wie LeSS, SAFe oder Nexus begleitet hat.

Agilität neu denken: Warum agile Teams nichts mit Business Agilität zu tun haben

1. Auflage, 2018
von Klaus Leopold
Verlag: LEANability GmbH
136 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3903205505
Preis: 24,95€

Claudia Kausch

geschrieben von Claudia Kausch

Claudia Kausch ist Managing Consultant bei MID und verantwortlich für den Schwerpunkt Software Lifecycle Management. Sie hat in verschiedenen Softwareentwicklungsprojekten im nationalen und internationalen Umfeld gearbeitet und Erfahrung in den Branchen Einzelhandel, Versicherung und öffentlicher Verwaltung. In Stuttgart ist sie unsere Ansprechpartnerin vor Ort. Darüber hinaus engagiert sie sich als Dozentin im Studiengang Wirtschaftsinformatik an der DHBW.

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